28. Dezember 2013

Bierseelig durch das Subemmental

Am Tag vor Weihnachten tobte in den Alpen ein Föhnsturm. Auf dem Jungfraujoch wurden Windspitzen von über 200 km/h gemessen. Mit vergleichsweise bescheidenen fünf Stundenkilometern bewegte ich mich in gebührendem Abstand auf das Berner Oberland zu. Im mittelländischen Herzogenbuchsee war ich gestartet und beging eine selbst zusammengebastelte Route nach Dürrenroth. Das Hügelgebiet ist besser bekannt als Buchsiberge und weist subemmemtalischen Charakter auf. Sanft geschwungene Horizontlinien, halboffene Gräben und breite Eggen bilden einen lieblichen Landschaftstypus; eine Vorstufe zum schrofferen Emmental und ein Stück Oberaargau im Kanton Bern.

Einmal dieses Högerland erklommen, wehte mir ein laues Lüftlein ins Gesicht. In der gegenlichtigen Ferne zeigten sich die Innerschweizer und Berner Alpen, umgarnt mit Gewölk aus dem Süden. Die bei derartiger Wetterlage typischen Föhnfische schwebten für einmal über Mittelland und Jura. Ein ungewohnter Anblick!

Die Route führte mitunter zweimal in Seitengräben der Langeten: Auf Oeschenbach folgte Walterswil. Daselbst war ich nicht nur erstaunt über das Ensemble von Kirche und Pfarrhaus. Letzteres war geschätzte dreimal grösser als das Gotteshaus, welches im Grunde genommen lediglich eine Kapelle darstellt. An der Dorfstrasse unten fiel mir die Brauerei Napf auf. Sie wirbt mit dem Spruch 3 Regionen, 1 Hügel, 1 Bier. Ich ging hinein, kaufte eine Bügelflasche Napfgold und kam ins Gespräch mit Emil. Er führt das Brauereibeizli. Nebst Emil beschäftigt der Kleinbetrieb den aus Bayern stammenden, 20-jährigen Produktionsleiter – einen frisch gezapften Brauer also – sowie einen Logistiker, der sich um das Lager und die Belieferung der Kundschaft kümmert. Und natürlich gibt es auch einen Chef, den Geschäftsführer.

Das Sudhaus der Brauerei Napf in Walterswil (BE).

Der Stoff, aus dem die Bierträume sind.
Entgegen meinem Prinzip, während des Wanderns keinen Alkohol zu konsumieren, lasse ich mich zu einem Glas überreden. In der kleinen Gaststube duzt man sich ungeniert. Bereitwillig erhalte ich Antworten auf meine Fragen. Nachdem im Februar 2011 mit den Einrichtungsarbeiten im ehemaligen Gebäude der landwirtschaftlichen Genossenschaft begonnen wurde, fand im Oktober desselben Jahres die Eröffnung statt. 

Das Brauerei-Logo  mit dem Walterswiler Dorfwappen ist gleichzeitig das Markenzeichen für das Zwickelbier, ein naturtrübes Bier mit Walterwiler Gerste gebraut.


Die Brauerei existiert indes schon länger. Bevor sich der Brauereibesitzer für den Standort Walterswil entschied, wurde im Restaurant Stadthaus Huttwil produziert. Die Kleinbrauerei verfügt über eine moderne, computergesteuerte Herstellungsanlage. Das nach eigenem Rezept gebraute Bier schmeckte mir sehr, Ich war aber trotzdem froh um die bevorstehende Fortsetzung nach Dürrenroth, wäre ich doch in der Duzrunde bestimmt hängengeblieben und hätte die Weihnachtstage mit einem Biertrauma verbringen müssen.

Gerne empfehle ich hiermit diese perfekt ausgeschilderte Wanderung zur Nachahmung. 

Route: Herzogenbuchsee Bahnhof > Bollodingen > Spych > Wäckerschwend > Richtung Färbergweid > Bleue > Egg > Walterswil > Weid > Dürrenroth Dorf. 
Distanz: 21,4 km Aufstieg: 850 m Abstieg: 620 m Wanderzeit: 6 Std. Schwierigkeit: T1 Einkehren: Löwen Bollodingen, Sonne Wäckerschwend («Hallenstadion des Emmentals»!), Brauerei Napf Walterswil, Gasthof Bären Dürrenroth
Hin: Mit der Bahn bis Herzogenbuchsee Zurück: Mit dem Bus nach Huttwil, weiter mit der Bahn nach Langenthal oder mit dem Bus nach Affoltern-Weier, weiter mit dem Bus nach Hasle-Rüegsau, weiter mit der Bahn nach Burgdorf

Weitere Fotos der Route gibt es hier

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