16. Dezember 2013

Appéllation d'Origine Contrôllée

Die Etikette zeigte  das nicht
mehr existente Schloss
Chartreuse in Hünibach
bei Thun
Als wir noch an der Goldküste des Thunersees zu residieren pflegten, nannten wir unter anderem drei Rebstöcke unser Eigen. Die Trauben waren  nicht gerade das, was man gemeinhin als Delikatesse bezeichnet. Wir entschieden uns daher, den Früchten  eine würdige Veredelung zukommen zu lassen. In Einigen fand sich ein Lohnbrenner, der aus der bescheidenen Ernte immerhin vier Liter Grappa zu destillieren verstand. Wir nannten den Brand Moorwasser, und ich machte mich an die Kreation einer passenden Etikette.

Mit diesem Treiben befanden wir uns übrigens in bester Gesellschaft, denn seit der Wiederaufnahme des Rebbaus in der Thunersee-Region, erlebt das Handwerk eine neue, wenn auch bescheidene Blüte. Nachdem um 1900 die Weinproduktion aus wirtschaftlichen, qualitativen und naturbedingten Gründen gänzlich zum Erliegen  kam, machte man sich 1928 in Spiez, 1933 in Oberhofen und 1984 in Stampbach bei Merligen  wieder an die Bewirtschaftung der Rebberge. Aber auch in Steffisburg, Hilterfingen, Thun und Seftigen wurden ehemalige Reblagen bepflanzt. Die acht Produzenten verfügen über eine Anbaufläche von rund 20 Hektaren und bilden zusammen die  Rebgesellschaft Thunersee-Bern. Die Weine tragen das vom Kanton Bern verliehene Label Thunersee AOC. Die gebrannten Wasser haben da und dort Auszeichnungen eingeheimst.

Gestern gelangte ich auf meiner Spazierwanderung von Oberhofen nach Merligen an den genannten Rebgütern von Oberhofen und Stampbach vorbei, was mich unweigerlich an unsere Grappa-Produktion von anno 2005 erinnerte. Der mässig süffige 40-Prozentler hat natürlich längst den Weg durch diverse Kehlen gefunden. Das Preis-Leistungsverhältnis (Traubenlese, Gärprozess überwachen, Transport zum Lohnbrenner, Brennkosten, Gebinde sowie Alkoholsteuern) rechtfertigte das Ganze nie und nimmer. Aber immerhin hatten wir versuchsweise das Beste aus den sauren Früchtchen gemacht.

Das Rebgütchen von Stampbach-Merligen liegt etwas erhöht über dem Thunersee direkt am Jakobsweg Interlaken–Merligen–Thun. Im Hintergrund die Stockhornkette.



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