11. November 2013

Oh du sonnige Dunkelheit

Wasser und Wind waren die prägenden Elemente meines gestrigen Gangs von Murgenthal nach Herzogenbuchsee. Ich startete also an jenem Ort, wo ich mich im März 2012 auf die dritte Etappe meiner Aargau-Umrundung begab. Hierbei machte ich eine Entdeckung, die mir vor gut anderthalb Jahren verborgen blieb. Auf der alten Murgbrücke erspähte ich einen auffallend grossen Grenzstein. Es handelte sich um die Berner Gemarkung von 1818. Nachdem 1803 der Berner Aargau dem eigentlichen Aargau zugeschlagen wurde, nahm sich Bern 15 Jahre Zeit, die neue Kantonsgrenze vor Ort sichtbar zu gestalten.


Ein Grenzstein von Format: Auf der alten
Murgbrücke in Murgenthal (AG/BE).

Ich verliess die drittgrösste Gemeinde des Aargaus bei strömendem Regen und folgte dem Rotkanal. Zwischen 1640 und 1645 als Gemeinschaftswerk der katholischen Mönche von St. Urban und des reformierten Landvogts entstanden, diente er zur Bewässerung sowie den Murgenthaler Fabriken als Antriebskraft. Auf Berner Seite angelangt, durchwanderte ich bis zum Bahnhof von Roggwil-Wynau ein komplexes Kanalsystem. Ich mutmasste, dass es sich hier um ein industrie-historisches Relikt handeln könnte, welches in Roggwil einst den Betrieb der Weberei ermöglichte.

Zwischen Murgenthal und Roggwil. Links der Rotkanal von 1645, rechts die Murg.


Die Detailkarte von Roggwil-Wynau zeigt das vielarmige Gewässersystem.
Wasser überall, also. Immerhin liess der Regen hinter Aarwangen nach. Stattdessen kam nun stürmischer Westwind auf. Gierig sog ich in den Wäldern die letzte Buntheit des Laubes in mich auf. Erstaunlich, wie vielen Leuten ich begegnete. Meist waren es Menschen auf dem morgendlichen Spaziergang mit ihrem Hund. Den Vogel schoss eine zehnköpfige Gruppe ab, die mit rund 40 Windhunden durch den Wald stolzierte.

Hübsche Partie in einem Wäldchen zwischen den Weilern Haulimoos und Wältschland (BE).
Kurz vor Herzogenbuchsee setzte der Regen wieder ein. Im Zentrum daselbst angelangt, ereilte mich die Ironie des Schicksals in Form des Hotels du Soleil. Doch damit nicht genug. Auf dem Weg zum Bahnhof zeigten Wegweiser mit der Aufschrift Sonnensaal in die Richtung, wo ich her kam. Es folgte das Solarium Sunnestube und als finaler Höhepunkt ein Banner mit dem seltsamen Wortkonstrukt Sunny Darkness. Als Leser dieser idiotischen Schöpfung wurde ich gar aufgefordert, für diese sonnige Dunkelheit zu voten. Hinter der Paradoxie steckt eine Band, die sich zum Ziel gesetzt hat, mit ihrem Song Cry of the Sunny Darkness den Eurovision Song Contest zu gewinnen. Eine Art abbaeskes Waterloo meinen die also erfunden zu haben ... Na ja ... Womit ich wieder beim Wasser wäre. Ende der Vorstellung. 

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