3. Januar 2013

Courtelary schmeichelhaft

Ich werde immer wieder gefragt, was denn dieses P. nach meinem Vornamen soll. Nun, es steht für Pierre und so steht es auch in meinem Pass. René Pierre Moor. Weshalb verwendet er denn dieses P. überhaupt, mögen sich die Leser und selbstverständlich auch die Leserinnen fragen. Der Grund liegt bei einem Namensvetter, der sich ebefalls schreibenderweise durchs Leben schlägt. Ich mit, er ohne P. Es gilt also, Verwechslungen vorzubeugen und die Einmaligkeit unserer beiden Existenzen zu verdeutlichen.

Mit Freude las ich daher am Berchtoldstag im Bern-Jurassischen Coutelary den schmeichelhaften Brückennamen «Pont de Pierre». Die Wanderung führte mich von Corgémont über besagtes Courtelary nach Tramelan. Eine zugegebenermassen etwas sonderbare Route, doch sie hatte es in sich! Schneite es auf den ersten Kilometern noch, so zeigte sich später die Sonne. Der Talgrund des Vallon de St-Imier war ausgeapert, an schattigen Stellen lauerten arschglatte Wege und Strassen, auf der besonnten Seite spritzte beim Gehen der Morast bis in die Kniekehlen. Im Restaurant de l'Ours in Cortébert ist chinesische Küche angesagt. Die Chinesen als Retter der vom Aussterben bedrohten Dorfbeizen, dachte ich, nachdem mir auf der Anreise in Sonceboz-Sombeval das chinesisch-thailändische Bahnhofbuffet aufgefallen war. Dieses hatte ich vor Jahren, nach einer happigen 20-Kilometer-Schneeschuhtour, komplett verrammelt vorgefunden.

Einstige Mühle von Corgémont (BE) beim Zusammenfluss des Mühlebachs in die Suze.
 
Der Westen produziert in China, die Chinesen wirten im Westen. Das Restaurant de l'Ours in Cortébert. Kann das jemand lesen? Ich erkenne beim Schriftzeichen rechts zwei sitzende Kinder auf einer Stange. Kindergarten?

Das schmeichelt dem René P.: In Courtelary haben Brücken schöne Namen.

Im Talgrund schon fast Frühling, auf der Montagne du Droit lauert der Winter.

Spuren des nassen Winters oberhalb Courtelary.

War der erste Teil der Wanderung eher flach, so änderte sich die Topographie ab Courtelary drastisch. Ich stieg auf einer sogenannten «Charrière» – einem Karrweg – die Steilflanke der Montagne du Droit hoch. Die Szenerie wechselte innerhalb einer guten halben Stunde von Vorfrühling über Spätherbst, Vorwinter zu Hochwinter. Auf der Montagne angelangt, erwarteten mich 40 Zentimeter Schnee, hart beinelnde Langläufer und ein Jura-Ambiente zum Verlieben. Doch damit nicht genug. Der vom Regen durchnässte Schnee war über Nacht zur steinharten Masse geworden. Bis Tramelan zelebrierte ich die Leichtigkeit des Schneewanderers auf gefrorenem Grund. Gibt es für Wanderfanatiker im soeben lancierten Schrittlerjahr einen passenderen Einstand als diesen?

Auf den «Vieilles Charrières» – vermutlich dem alten Bergweg – zur Bise de Cortébert.

Die Bise de Cortébert auf der Montagne du Droit ist ganzjährig bewohnt und bietet eine Einkehrmöglichkeit.

Winterwandern, eine gute halbe Stunde vom Vorfrühling entfernt. Bei der Bise de Cortébert.

Das kann nur der Jura! Bei der Bise de Cortébert.

Auf dem Abstieg von der Bise de Cortébert nach Tramelan (BE)

Hübsches, altes Bahnhofgebäude der Chemins de Fer du Jura in Tramelan.

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